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Dienstag, 29. August 2017

Nesteldecke die Zweite

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als ich meine erste Nesteldecke genäht habe. Ein Jahr, in dem viel passiert ist. Leider hat der Besitzer der ersten Decke diese nicht mehr lange nutzen können.

Trotzdem hat die Decke einiges bewirkt. Eine ganz liebe Freundin von mir arbeitet in einem Betreuungsheim für Demenzkranke. Ich hab ihr von meiner Decke erzählt und sie war so begeistert, dass sie nach dieser Decke gefragt hat. Da die erste Decke mit so vielen persönlichen Erinnerungen bestückt ist, wollte ich sie ungerne hergeben. Aber sehr gerne habe ich ihr eine eigene Decke genäht.
Sofort habe ich angefangen, aus meiner Stoffkiste nach Stoffstücken zu suchen, um Quadrate auszuschneiden.



Auch diese Decke enthält wieder viele Dinge zum fühlen und nesteln. 


Ein Hemdsärmel animiert zum Knöpfen. Vielleicht erinnert es auch an den ein oder anderen Abend im Theater oder an eine Feier.
Unter dem Hemdsärmel verbirgt sich das Bild eines Schmetterlings. Der Schmetterling ist eines meiner Lieblingstiere. Er soll an die schönen Dinge im Leben erinnern. An fröhliche und unbeschwerte Tage.
















Ein paar große Holzkugeln laden zum hin- und herschieben oder auch einfach nur zum Rollen in der Hand ein. Holz ist warm und vermittelt ein angenehmes Gefühl.




Der Wunsch meiner Freundin war eine Schleife. Diese hab ich aus einer Jersey-Nudel gemacht. Das Jersey-Band ist an die Decke angenäht und durch die Knopflöcher des großen Knopfs gezogen. Dadurch lässt sich der Knopf sogar abnehmen und das Band kann immer wieder neu eingefädelt werden.




In einer kleinen Tasche können kleine persönliche Dinge "versteckt" werden. Natürlich kann sie auch einfach nur zum Knöpfen verwendet werden oder zum Aufbewahren eines Taschentuchs.




 


Ein Reißverschluss darf natürlich auch in dieser Decke nicht fehlen.

Zum Schluss wurde die Decke mit einer Fleecedecke gefüttert, hinten mit einem einfarbigen Stoff geschlossen und am Rand mit Bändern versehen. So kann die Decke am Bett, Stuhl oder Rollstuhl befestigt werden.


Nesteldecke für Senioren, Demenzkranke und Alzheimerpatienten

Seit einigen Wochen ist diese Decke in einem Betreuungsheim für Demenzkranke in der Schweiz im Einsatz. Meine Freundin und ihre Kolleginnen sind ganz begeistert. Die Decke bringt ihren Besitzern und Betreuerinnen viel innere und äußere Ruhe.
Die Decke ist so erfolgreich im Einsatz, dass es nicht die letzte Decke sein wird, die ich genäht habe. Meine Freundin hat bereits den Wunsch nach mehr geäußert. Diesen werde ich ihr und den Senioren in ihrem Pflegeheim sehr gerne erfüllen.


Donnerstag, 16. Juni 2016

und noch ein super Freebook für heiße Tage - Hot Pants

In der letzten Woche kam meine Tochter in der Turnhose einer Freundin nach Hause. Auf meine erstaunte Frage, warum sie nicht ihre eigenen Sportsachen trage, antwortete sie, dass sie keine kurze Sporthose hätte. Es war Freitag und der Turnbeutel musste am Montag wieder mit zur Schule. Daher hab ich kurz das Internet durchstöbert und auf der Seite der Hamburger Liebe das Tutorial Cold Summer - Hot Pants gefunden. Schnell war das Schnittmuster ausgedruckt und ein dünner Sweat aus dem Stoffregal ausgesucht.
Erstaunlich schnell war die kurze Hose für den Sportunterricht fertig. 
Hot Pants nach dem Hamburger Liebe Tutorial
Kind glücklich - Mama glücklich. Das Tutorial ist wirklich zu empfehlen. Die Hose ist schnell und einfach genäht. Sogar die sichtbare Covernaht ist mir zum ersten Mal wirklich sauber gelungen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Und da die Hose so schnell genäht und nach der Aussage meiner Tochter super zu tragen ist, werden bestimmt noch ein paar heiße Höschen folgen.

Sommertop Hailey - unser persönlicher Sommerhit als Tunika oder Kleid

Im letzten Jahr schon hab ich das Sommertop Hailey für meine Große genäht. Sie liebt es noch immer, auch wenn es langsam etwas knapp wird. Es nutzte nichts, eine neue Hailey musste her. Den Stoff hat sie sich wie immer selbst ausgesucht. Interessanterweise hab ich schon im Schnittmuster festgestellt, dass die Größe 134 scheinbar viel länger als die 128 ist. Oder ich hab im letzten Jahr ganz anders zugeschnitten?

Wie auch immer - das neue Sommertop war beim Anprobieren etwas lang. Kein Problem,dann ist es eben eine Tunika.
Meine Tochter sah das etwas anders. Sie war begeistert über ihr neues Kleid.
Bei Kleid haben ihr Vater und ich dann aber doch etwas sparsam geschaut. Denn die etwas lange Topvariante war doch ein sehr knappes Kleid.


Unter der Bedingung, dass ich ihr noch ein Hailey Kleid nähe, haben wir uns dann darauf geeinigt, dass unter die Tunika doch lieber noch eine kurze Hose drunter getragen wird.

2 Tage später bekam die Große dann eine Erdbeer-Hailey in der Kleidvariante. Sie ist überglücklich und würde am liebsten nur noch zwischen diesen Sommerteilen wechseln.

Das Sommertop ist unser absoluter Sommerhit. Die Anleitung ist super beschrieben und das Top wirklich einfach zu nähen. Vielen lieben Dank für dieses tolle Freebook.

Dienstag, 31. Mai 2016

Eine Nesteldecke für Senioren, Demenzkranke und Alzheimerpatienten

Nachdem mein selbst gebauter Hapti Muff gut angekommen und viel in Gebrauch ist, musste er vor ein paar Tagen auch einmal in die Wäsche. In der kurzen Zeit des Waschens und Trocknens fehlte er sofort. Der Besitzer des Muffs nestelte und fummelte sofort an Stricken und Schläuchen herum, von denen er die Finger lassen sollte. Daher entschied ich mich, ein zweites "Fummelstück" zu nähen.

In der Zeit seiner Verwendung war mein Hapti Muff auch bereits positiv aufgefallen und eine Frau trat an mich mit der Bitte heran, ob ich ihr vielleicht auch bei einem solchen Teil helfen könne. Sie hat bereits eine Menge Materialien gesammelt, könne allerdings nicht nähen. Sie möchte allerdings keinen Muff, sondern eine Decke. Gerne werde ich ihr diesen Wunsch erfüllen, sobald sie mir ihre genauen Vorstellungen und ihre Materialien übergeben hat.

Durch diesen Wunsch bin ich auf die ebenfalls kommerziell erhältliche Variante der Nesteldecke gestoßen. Zuvor hatte ich lediglich den Hapti Muff als Beschäftigungsmöglichkeit für Demenzkranke gefunden. Die Nesteldecke fand ich allerdings auch sehr toll. Daher wollte ich auch für meinen Muffbesitzer eine Decke nähen.

Nachdem ich mir ein paar Nesteldecken im Internet angesehen habe, ging ich auf Materialsuche. Verschiedene Stoffe, ein paar "Schläuche", ein Stückchen Fell, ein paar leere Garnrollen, Knöpfe und einige andere Dinge füllten schnell meine Nähecke.

Die Stoffe habe ich in Quadraten von 18 x 18 cm zugeschnitten. Danach habe ich erst einmal alles vor mich ausgebreitet und die verschiedenen Dinge zum nesteln dazu sortiert.

Das Fleece Quadrat habe ich mit einigen Ösen versehen, durch die ich Bastelschnüre gezogen habe. Ein Quadrat bekam den Reisverschluss eingesetzt, hinter den ein weiterer Stoff gesetzt wurde. Die Garnrollen habe ich ebenfalls auf Bastelschnur gezogen und durch Ösen hinter dem Stoff verknotet.


Ein Stoffquadrat bekam eine Kordelschur mit vielen Fransen.
Und auch an einem Jersey Quadrat mit Fransen aus Jersey Wolle darf ebenfalls ausgiebig genestelt werden.

Ein weiteres Quadrat wurde mit ein paar Knöpfen versehen und ein Jersey Quadrat im Hintergrund mit Knisterfolie.







Der Ärmelbund inklusive Druckknöpfe von einem alten Hemd fand ebenfalls einen Platz auf der Decke.


Das Stück Fell  auf einem weiteren Quadrat ist flauschig und weich und lässt sich prima schreicheln. Vielleicht erinnert es seinen Besitzer an seine ehemaligen tierischen Mitbewohner.
 

Die zusammengenähten Quadrate habe ich zunächst auf der Rückseite mit einer durchgängigen Lage aus Baumwolle versehen. Alle Nähte wurden abgesteppt. Anschließend wurde die Decke mit einer weiteren "schönen" Rückseite aus einem dickeren, aber weichen, hellblauen Stoff vernäht und abgesteppt.



Diese Decke hat eine Gesamtgröße von ca 60 x 75 cm. Man kann sie ganz wundervoll im Bett über den Bauch legen oder im Rollstuhl über die Beine. Damit die Decke nicht herunterfällt, kann sie mit weichen Stoffbändern am Rollstuhl festgebunden werden.

Nesteldecke für Senioren, Demenzkranke und Alzheimerpatienten


Dienstag, 24. Mai 2016

Elodie meets Pepermint swirl dress

Es wird Sommer und damit Zeit für neue Kleider. Vor einigen Wochen habe ich mit meinen Töchtern ihre Kleiderschränke sortiert und aussortiert. Was der Großen zu klein geworden ist, bekam die Kleine und bei der Kleinen wurden schweren Herzens ausgeräumt. Die Lücken im Kleiderschrank der Großen müssen natürlich aufgefüllt werden. Kleider standen da ganz oben auf der Füllliste.

Elodie von Farbenmix
Direkt vom Aussortieren ging es zum Stoffregal. Meine Große griff ganz schnell und gezielt zu ihren Wunschstoffen.
Eine Elodie von Farbenmix sollte aus dem Sternenstoff werden - am liebsten noch am gleichen Abend. Ganz so schnell ging es dann nicht, aber 2 Tage später hatte die Große ihr Kleid. Sie war auch (zunächst) ganz begeistert.
Sie trug das Kleid auch sofort, ich merkte allerdings schnell, dass ihr diesmal irgendetwas nicht gefällt. Wirklich benennen konnte sie das Problem aber nicht.

Das Oberteil der Elodie besteht bei Größe 134 schon aus einem sehr breiten Stoffteil, welches stark gerafft wird. Noch hat meine Tochter keine Oberweite, wodurch das Oberteil ziemlich fluffig (mir fällt kein besseres Wort ein) wirkt. Möglicherweise war aber genau dieser viele Stoff das Problem.



Ein paar Tage später nähte ich für die Kleine - trotz vollem Kleiderschrank - ebenfalls ein Kleid. Diesmal allerdings mit dem Rockteil der Elodie und dem Oberteil vom Pepermint swirl dress. Rockteil in Größe 110/116 und Oberteil in Größe 5Y passten perfekt zusammen. Meine kleine Tochter war begeistert und wollte ihr Schwanenkleid am liebsten gar nicht mehr ausziehen.

Und meine Große schaute ganz betrübt, denn das Schwanenkleid passte ihr erstaunlicherweise gerade so (noch), war aber nicht für sie gedacht. Daher schlug ich ihr vor, das Oberteil ihrer Sternen-Elodie wieder abzutrennen und durch ein Pepermint swirl Oberteil zu ersetzten. Die Augen leuchteten und so zerschnitt ich schweren Herzens das gerade neu genähte Kleid wieder und tauchte den oberen Teil.



Am nächsten Tag waren beide Kinder ganz unglücklich. Die sommerlichen Frühlingstage hatte eine Pause eingelegt, sodass sie ihre Kleider nicht tragen konnten. Aber am Wochenende soll es wieder wärmer werden und dann dürfen das Schwanen- und das Sternenkleid endlich auch außer Haus angezogen werden.


Elodie meets Pepermint swirl dress

Donnerstag, 19. Mai 2016

Stoffreste für "drunter" - eine Runde Unnebüxen

So langsam stapeln sich eine ganze Reihe kleine und etwas größere Reste in meinem Stoffregal. Auch ausrangierte Pullis kommen immer mal wieder dazu. Daher habe ich etwas gesucht, um gerade diese Reste sinnvoll aufzubrauchen. Da bin ich über das Freebook der Unnebüxen von Lolletroll gefallen.
Unterhosen sind zum Stoffverbrauch super. Kleinere Fehler oder Verwaschungen im Stoff fallen nicht auf oder können gut kaschiert werden.
Testweise hab ich erst einmal 2 Unterhosen für meine Tochter genäht. Sie ist sehr wählerisch, sodass schon das ein oder andere liebevoll genähte Teil ungetragen im Schrank liegen geblieben ist.
Natürlich würde sie nie zugeben, dass es ihr nicht gefällt. Solche Sachen bleiben dann mit der Begründung: "Ich möchte nicht, dass es schmutzig wird", im Schrank.
Meine Testunterhosen wurden zu meiner Überraschung mit großer Begeisterung angenommen. Die Hosen wären viel bequemer als die gekauften, meinte sie.
Kein Problem - Stoffreste hab ich ja genug. Daher hab ich gleich einen ganzen Schwung Unterhosen zugeschnitten und genäht. Einen Teil mit Bündchen, einen Teil mit eingefassten Beinabschlüssen. Einfarbige Stoffe hab ich mit etwas Bügelfolie "aufgehübscht".

Unterhosen (Schnittmuster Unnebüx von Lolletroll)

Die Hosen werden heiß geliebt. Alle anderen Hosen werden gerade stückchenweise aus der Schublade verbannt. Meine Handvoll genähter Hosen werden die Lücke im Unterwäscheschrank nicht füllen können.
Ich muß wohl noch ein paar Unnebüxen zuschneiden und nähen.  :)


Dienstag, 10. Mai 2016

Ein Kissen gegen das Vergessen - wenn Demenz das Leben verblassen lässt

Hapti Muff selbst genäht
Vor ein paar Monaten habe ich euch meinen selbst genähten Hapti Muff als Beschäftigung für Demenzkranke gezeigt. Er ist tatsächlich gut im Einsatz.

Über Demenz habe ich in der letzten Zeit viel gelesen.
Und trotzdem ist es für mich schwer verständlich, wie das Gehirn einfach so die kleinen und großen Dinge des Lebens ausblendet. Menschen, Orte, Situationen, die einen Platz in unserem Alltag haben, sind plötzlich verschwunden - ohne Ankündigung, ohne Erklärung.

Unseren Kindern habe wir das Thema Demenz mit dem wirklich tollen Film "Honig im Kopf" versucht zu erklären, aber wirklich verstehen können auch wir - kann auch ich - es nicht. Der Arzt in dem Film erklärt es sehr schön: "Unsere Erinnerungen sind wie Regale voller Bücher. Bei Demenzkranken fällt immer mal wieder eines dieser Bücher um. Dann kann dieser Mensch den Inhalt nicht mehr lesen und sich auch nicht mehr daran erinnern. Manchmal lässt sich das Buch wieder hinstellen und die Erinnerung kommt zurück. Aber im Laufe der Krankheit fallen immer mehr Bücher ganz aus dem Regal".

Wir können versuchen, es wissenschaftlich zu erklären. Aber wir können es weder nachvollziehen noch verstehen oder aufhalten. Für mich ist es sehr schwer, einen lieb gewonnenen Menschen auf diese Weise stückchenweise zu verlieren. Manchmal stelle ich mir allerdings die Frage, wer bei dieser Krankheit wen verliert. Wir "Gesunden", die wir dem Geschehen hilflos gegenüber stehen? Oder der Demenzkranke, der allerdings gar nicht weiß, dass er so viele Dinge nicht mehr weiß?

Trotzdem versuche ich - genauso wie viele Menschen in ähnlichen Situationen oder viele Ärzte und Pflegekräfte - den Lauf der Dinge zu beeinflussen, vielleicht ein wenig zu verlangsamen.
In vielen Ratgebern wird empfohlen, Demenzkranke an Situationen in ihrem Leben zu erinnern. So können Lieder, Geschichten oder Fotoalben dazu dienen, Erinnerungen wach zu halten oder das ein oder andere Buch für kurze Zeit im Regal wieder aufzustellen.
In diesem Sinne habe ich mich hingesetzt und Fotos aus dem Leben jener lieben Person zu suchen, um ihn an Situationen erinnern, die er (hoffentlich) sehr genossen hat. Da weder das Pflegepersonal noch besuchende Verwandte sich täglich hinsetzen, um mit Demenzpatienten Fotoalben anzusehen, habe ich mir eine andere Variante überlegt - mein Kissen gegen das Vergessen.
Ich habe ein Patchworkkissen aus 3 x 3 Teilen pro Kissenseite genäht. Auf jedes dieser Teile habe ich mit Bügeltransferfolie ein Foto gedruckt und mit Flockfolie beschriftet.

Patchwork-Kissen für Demenzkranke
(Fotos aus persönlichen Gründen unkenntlich gemacht)
Die Transferfolie hat mich dabei fast in den Wahnsinn getrieben. Zum einen ließ sie sich grauenhaft auf den Stoff übertragen, zum anderen hat sich das Transferpapier nach der Übertragung nicht ordentlich ablösen lassen. Beim Beschriften der Fotos mit Flockfolie hat sich die Bügelfolie der Fotos stellenweise gleich wieder mit gelöst. Von wirklich scharfen Fotos, die die Transferfolie auf das Kissen zaubert, brauchen wir auch nicht sprechen.

Zwischendurch war ich durch die semioptimale Umsetzung meiner Idee und irgendwie auch von der ganzen Entstehungsgeschichte des Kissens dermaßen gefrustet, dass ich mich gefragt habe, für wen ich das eigentlich tue? Für den Demenzkranken, der die Bilder möglicherweise nicht mehr erkennt oder versteht oder für mich? Um das Gefühl zu haben, etwas zu tun, auch wenn ich gegen die aktuelle Situation in Wahrheit so gar nichts tun kann? Um meine Ohnmacht und meine Traurigkeit in "Arbeit" zu ersticken und mir einzureden, ich hätte doch ...

Patchwork-Kissen gegen "das Vergessen"
(Fotos aus persönlichen Gründen unkenntlich gemacht)
Aber ist letztendlich nicht alles, was wir tun, nur eine Aneinanderreihung von Versuchen, die Welt ein wenig besser oder schöner zu machen? Wen interessiert es also, ob die Bilder auf dem Kissen gestochen scharf sind? Da der Empfänger des Kissens sowieso nicht mehr die volle Sehkraft besitzt, ist es völlig nebensächlich, welche Auflösung die Fotos haben. Je nach Tagesform wird er die Bilder erkennen - und damit meine ich nicht sehen, sondern in seinen Erinnerungen erkennen. An guten Tagen wird er mit dem, was er sieht oder liest, wissen, worum es sich handelt. An schlechten Tagen würden auch hochauflösendere Bilder keine Erinnerungen in ihm hervorrufen können.

Auf die Frage, für wen das Kissen nun ist, habe ich für mich eine Antwort gefunden. Es ist für uns alle. Für mich, um etwas hoffentlich Schönes für einen lieben Menschen getan zu haben. Für mich, um auch mir viele schöne gemeinsame Situationen wieder ins Gedächtnis zu rufen und ihn beim nächsten Besuch daran erinnern zu können. Für all seine Besucher im Pflegeheim - sei es Familie oder Bekannte - um auch ihnen die eine oder andere gemeinsame und schöne Situation wieder ins Gedächtnis zu rufen. Um Besucher - und auch Pflegekräfte - dazu zu animieren, ihn an schöne Stunden zu erinnern. Um sich gemeinsam mit ihm zu erinnern oder um ihn vielleicht zu ermuntern, im Zusammenhang mit dem ein oder anderen Foto etwas zu erzählen.
Und natürlich für ihn, um in guten Tagen zu erfreuen und um ihn an die schönen Dinge und Situationen im Leben zu erinnern.

Ein kleines Kissen im großen Kampf gegen das Vergessen. Bilder, die nicht nur in einem Buch im Regal stehen. Fotos, Situationen und Lebensereignisse mitten im Raum - immer an seiner Seite. Für jeden sichtbar und damit hoffentlich ein Anreiz für jeden, der den Raum betrifft durch einen Kommentar oder eine Frage zu dem Kissen oder dem einen oder anderen Foto, den Kampf gegen des Vergessen ein Stückchen mitzuführen.

Samstag, 30. April 2016

Jeans "reparieren" mit der Chenille-Technik

So lange schau ich nun etwas grummelig auf die Hosenbeine meiner Töchter. Ob Applizieren, Bilder aufbügeln oder kurze Hosen aus langen machen - die Serie zerschlissener Knie reißt einfach nicht ab. Ich fürchte, solange meine Kinder mit Begeisterung auf den Knien durch die Welt rutschen, um Pferde, Hunde oder andere Tiere zu spielen, werden wir noch mit Löchern in den Hosen leben müssen.
Nun bin ich heute Morgen beim Stöbern in den Farbenmix Anleitungen über die Chenille-Technik gestolpert. Und das musste ich sofort ausprobieren.

Nach einem zu flickenden Hosenbein brauchte ich nicht lange suchen und Stoffreste sind auch immer vorhanden. Kaputt war die Jeans sowieso, es gab also kein Hindernis.

Zunächst hab ich meinen Stoffrest - der farblich hervorragend zu den Perlenketten an der Jeans passt - mit Sprühkleber an der Hose fixiert. Mit etwas Gefühl hab ich das Hosenbein sogar über den Freiarm meiner Nähmasche bekommen. Und dann ging alles relativ schnell und einfach. Ein paar Nähte kreuz und quer, einfach wie die Nadel gerade wollte. Diesmal durfte es krumm und schief sein. Danach hab ich ganz vorsichtig die Jeans mit einer kleinen Schere zwischen den Nähten eingeschnitten. Den Jerseystoff hab ich dabei mit den Fingern nach hinten gezogen, um bloß keine Löcher reinzuschneiden.
Und dann ging es auch schon ab in die Waschmaschine und danach in den Trockner. Meine Tochter hat schon vor dem Waschen "oh cool" geschrien - dabei war ich doch noch gar nicht fertig :).


Jeans "flicken" mit der Chenille-Technik
Jeans "flicken" mit der Chenille-Technik



















Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Hose wird so sicher noch ein Weilchen getragen. Ein echter Hingucker ist das Knie nun auch.
Das "Reparieren" ging sehr schnell und einfach. Ich bin sicher, so werden in naher und ferner Zukunft noch einige Hosen ein paar Stoffreste abbekommen.
Selbst mein Mann ist von dem Ergebnis begeistert und meinte, das kann er sich auch für seine Jeans vorstellen. Er möchte aber bitte keinen rosafarbenen Stoff :)

Dienstag, 19. April 2016

Ein Schnabelina Babyset - Trotzkopf und sommerliches Trotzkopf-Kapuzenkleid

So langsam sind meine eigenen Kinder aus dem Baby- und Kleinkindalter rausgewachsen. Dabei nähe ich doch so gerne für die ganz Kleinen. Mit erstaunlich wenig Stoff lassen sich so schöne Sachen zaubern.
Da hab ich mich natürlich besonders gefreut, dass sich im Freundeskreis die nächste Babyrunde ankündigt.
Und nachdem ich vor fast 3 Jahren diese Einschlagdecke für das erste Kind einer lieben Freundin nähen durfte, bekommt das Geschwisterchen nun einen Trotzkopf nach dem Schnittmuster von Schnabelina.

Schnabelina Trotzkopf Gr. 68

Der süße Pilzjersey liegt schon eine Weile in meinem Regal und wartet auf die passende Gelegenheit. Hier ist sie nun. Kombiniert mit einem orangefarbenen Jersey wurde er zu einem niedlichen Trotzkopf in Größe 68.


Schnabelina
Trotzkopf-Kapuzenkleid
Gr. 98




Natürlich wurde auch die große Schwester nicht vergessen. Passend zu ihrer kleinen Schwester bekommt sie ein Schnabelina Kapuzenkleid mit Trotzkopf-Oberteil.
Das Kapuzenkleid hab ich in eine sommerliche Variante mit Flügelärmelchen und verspieltem Rollsaum abgewandelt.

Babyset aus Schnabelina Trotzkopf und
Kapuzenkleid in sommerlicher
Variante mit Flügelärmelchen
und Trotzkopf-Oberteil





Ich hoffe, Eltern und Kinder werden sich über dieses Babyset freuen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, wieder so kleine Größen nähen zu dürfen.  Mir persönlich gefallen beide Teile sehr gut. Was meint Ihr dazu?
Und wenn meine Mädels nicht schon aus dem Alter und den Größen herausgewachsen wären, würden sie Pulli und Kleid ganz sicher auch sehr gerne tragen.



Um das Babyset komplett zu machen, gab es noch einen kleinen Pentiball, eine Windeltasche und natürlich noch eine Glückwunschkarte dazu.

Baby Geschenk-Set

Ein ähnliches Babyset bekommt die Kollegin meines Mannes. Da es sich bei diesem Baby allerdings um das Erstgeborene handelt, gibt es "nur" den Trotzkopf, einen Rasselball und eine Glückwunschkarte.

Baby-Set aus Schnabelina Trotzkopf, Pentiball und Glückwunschkarte





Sonntag, 10. April 2016

Pepermint Swirl dress - ein absoluter Mädchentraum

Wie lange hab ich vor diesem Schnittmuster "gestanden". So oft hab ich überlegt, ob ich mir diesen Schnitt kaufen soll. Jedes Mal, wenn ich ein solches Kleid gesehen habe, hat es mich in den Fingern gejuckt. Aber bekomme ich das auch so toll hin?
Vor ein paar Wochen war es dann um mich geschehen. Ich hab mir das Schnittmuster des Pepermint swirl dress gekauft.
Ein Blick in die Anleitung - nähen schien gar nicht so schwer. Aber der Stoffverbrauch ließ mich erst einmal schlucken. Aber irgendwie war es auch logisch. Da der Rock aus 14 geschwungenen Bahnen, die in sich alle noch einmal geteilt waren - also 28 Teile - besteht, benötigt man schon einiges an Stoff.
Nachdem ich mich für keinen Stoff entscheiden konnte - für beide Töchter hätte ich auch gleich 10 Meter kaufen müssen - bin ich doch tatsächlich in meinen eigenen Schubladen fündig geworden. Da lagen doch seit einer halben Ewigkeit unsere unbenutzten Vorhänge. Blaue Baumwolle - perfekt zum "ausprobieren". Weißen Baumwollstoff hatte ich aus Omas Fundus ebenfalls noch reichlich da. Also los ging's.
Zunächst das Kleid für die "Kleine". Aber auch für eine fast 5 jährige war das nicht wenig Stoff. Der Materialverbrauch für eine 5 oder 8 jährige war nicht so sehr unterschiedlich.
Nach kurzer Zeit hatte ich einen Berg an Stoffteilen vor mir liegen. Die geteilten Bahnen der einzelnen Farben habe ich direkt zusammengenäht.


Danach ging es ans Zusammennähen des Rocks. Ich war fast wie im Rausch. Mit jeder Bahn wurde die Stoffmenge auf meinem Tisch größer, der Rock ersichtlicher.


Auch wenn das Oberteil des Kleides noch fehlte. Allein der Rock hat mich darin bestätigt, dass ich mich zu dem Schnittmuster nach so langer und schwerer Entscheidung durchringen konnte.

Mein Mann musste den ganzen Tag die Kinder beschäftigen, denn ich konnte einfach nicht aufhören, dieses Kleid weiter zu nähen. So unfertig es am Abend war - mir fehlte das passende Bauschgarn für den Saum - meine Tochter musste das Kleid unbedingt anprobieren. Am liebsten hätte sie es gar nicht wieder ausgezogen. Dass die große Schwester natürlich auch so ein Kleid braucht, war gar keine Frage.
Die Bestellung für das Bauschgarn ging noch am gleichen Abend raus.

Und während ich auf meine Lieferung wartete, wurde schon einmal das Kleid für die Schwester auf den gleichen Status gebracht.

Fast 2 Wochen musste ich wegen Lieferproblemen auf das Garn warten. Eine harte Probe, aber da die Temperaturen sowieso noch nicht für Kleider angepasst sind, war das halb so wild.
Als der Postbote dann endlich klingelte, war ich aber mit meinem Kistchen sofort hinter der Nähmaschine verschwunden.
Der Wave Stich meiner Maschine wartete schon so lange auf seinen Einsatz. Und dieses Kleid schreit förmlich nach dem Wellenstich.
Saumkannte mit Wellenstich (wave stich)
Los ging's.

Gefühlte Stunden hab ich für den Saum eines Kleides gebraucht. Beim Ersten war noch eine Menge Ausprobieren und üben dabei. Kleid bzw. Saum Nummer 2 lief dann sauber durch - hat aber ebenfalls eine gefühlte Ewigkeit gebraucht.







Pepermint Swirl dress
Nun sind die Kleider fertig. Ich bin begeistert. Meine Töchter sind begeistert. Mein Mann ist auch begeistert.

Und auch wenn diese Kleider die bisher arbeitsintensivsten und zeitintensivsten Werke waren - jede Minute und jeder Stich haben sich absolut gelohnt. Ich bin sicher, hier wurde nicht das letzte Mal geswirlt.

Dienstag, 5. April 2016

Upcycling mal anders - Puppenkleidung aus zerschlissenen Kinderhosen

Die Hosen meiner Kinder leiden nach einiger Zeit alle an der gleichen Krankheit - sie haben Löcher an den Knien. Einmal lassen diese sich noch irgendwie flicken, aber wenn sie dann wieder aufreißen, ist mit dem Reparieren meistens Schluss.

Nachdem ich vor ein paar Wochen die nackten Puppen im Kindergarten gesehen habe, fiel mir die Lösung für die zerschlissenen Hosen ein.

Puppenhose aus kaputter Hose
Puppenhose aus kaputter Hose

Aus dem unteren Teil der Hosenbeine habe ich Hosenbeine für Puppenhosen gemacht. Die Hosen meiner Tochter wurden bis über die kaputten Knie abgeschnitten und zu kurzen Hosen.









Am Ende wurden aus einer kaputten langen Hose eine Hose für die Puppen und eine kurze Hose für die hoffentlich bald kommenden warmen Tage.


Puppenhose und kurze Hose
Puppenhose und kurze Hose


Und da ich einmal dabei war, gab es für die Puppen gleich noch ein paar Schlafsäcke und eine Jacke. Immer wenn etwas Zeit ist, werden die Puppen noch ein paar Oberteile und Kleider dazubekommen.

Puppenkleidung für den Kindergarten

Ich bin mit dieser Lösung für die Hosen sehr zufrieden. Irgendwie konnte ich mich mit der Endlösung Mülltonne noch nicht so richtig anfreunden.
Und meine Tochter, die Kinder im Kindergarten und die Puppen sind auch zufrieden :).

Montag, 21. März 2016

Osterkörbchen von Farbenmix oder einfach nette kleine Täschchen für Kinder

Da alle unsere Kinder ganz verrückt nach Täschchen und Körbchen sind, gibt es in diesem Jahr für jeden eine eigene Ostertasche. Diese habe ich ganz schnell nach dem Kreativ-Freebook von Farbenmix genäht. Wobei ... so ganz schnell gingen die Taschen dann doch nicht. Genäht waren sie tatsächlich sehr schnell, aber die Verziehrungen haben doch eine Weile gedauert. Während alle Taschen auf der einen Seite ein freundliches Küken haben, ist die andere Seite individuell für jedes Kind mit Namen versehen.

Oster- Taschen für Kinder

Ich bin schon jetzt sicher - die Kinder werden ihre Taschen lieben. Gefüllt mit süßen Kleinigkeiten werden sie vermutlich noch beliebter sein als ohne. Aber auch, wenn alles aufgenascht ist, werden die Taschen bei meinen Kindern ganz sicher oft im Gebrauch sein.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Beschäftigung für Demenzkranke, Alzheimerpatienten und Senioren - Hapti Muff Marke Eigenbau

Familiär bedingt hab ich mich in den letzten Monaten und Wochen stärker mit dem Thema Demenz beschäftigt. Immer häufiger habe ich überlegt und im Internet gesucht, wie man Menschen mit zunehmend geistigen Defiziten und steigender Unruhe sinnvoll beschäftigen könnte. Unter dem Namen Hapti Muff bin ich auf eine Art "Spielzeug" für Demenzkranke gestoßen. Diesen Muff fand ich ganz große Klasse. Ein wärmender Muff für kalte Hände und gleichzeitig eine Beschäftigung für die ruhelosen Finger. So wird die Unruhe gebündelt und der Patient ist beschäftigt.
Wichtig finde ich aber auch die Art der Bewegung für Hände und Finger. Durch gezieltes "Spielzeug" wird die Motorik der Hände gefördert und Muskeln sinnvoll bewegt.

Da ich immer auf der Suche nach kreativen Ideen bin, war ich natürlich sofort der Meinung, dass so ein Muff doch auch selbst zu machen sei. Alles, was ich dafür brauchte, hatte ich da. Stoffreste - hier dienten alte Kleidungsstücke, die vielleicht eine Art Wiedererkennungswert für den Besitzer des Muffs haben könnten. Der Stoff von alten Pullovern wurde für den großteil des Muffs außen und innen und Reste eines alten Schlafanzugs für Jersey Wolle (das sind die Fusseln obendran) verwendet. Gefüttert habe ich den Muff mit 2 Lagen Fleece.

Beschäftigung für Demenz- und Alzheimerpatienten

Nun ging es an die "sinnvollen Spielzeuge". Dafür habe ich zum einen eine Kinderwagenkette meines Sohnes verwertet. Ringe und Klemmen habe ich herausgenommen, nur die Kugeln sind an der Kette verblieben. Diese Holzkugeln können mit den Fingern am Gummiband hin und her bewegt werden, was die Finger bewegt und trainiert. Die Kette selbst ist an sehr großen Knöpfen befestigt und kann theoretisch abgenommen werden.


Hapti Muff Marke Eigenbau
Hapti Muff Marke Eigenbau

Als weiteres Bewegungs-und Trainingsobjekt sind 2 Teile zum Kneten angebracht. Der eine Beutel ist mit Softgel gefüllt, welches auch zum Füllen von Teddybären verwendet wird. Dieser Beutel ist recht weich und leicht zu kneten. Der andere Beutel beinhaltet einen Küchenschwamm. Dieser ist etwas fester, sodass das Kneten etwas schwieriger ist und mehr Kraft voraussetzt. Beide Beutel trainieren die Muskulatur der Hände. Damit die Beutel nicht verloren gehen, sind sie mit einem Band in den Muff eingenäht. Mit Druckknöpfen können sie am Muff befestigt werden oder einfach am Band herunter hängen. Die Druckknöpfe sind natürlich so angebracht, dass sich der flache Teil des Druckknopfes an dem zu knetenden Beutel befindet, sodass nichts in der Hand drückt.
 


















Außerdem sind viele kleine Bänder (Jerseywolle) am Muff angebracht. Dafür habe ich lediglich den Stoff eines alten Schlafanzugs in Streifen geschnitten. An diesen Jerseybändern kann nach Lust und Laune gefummelt werden. Jegliche Art der Fummelei am Muff trainiert die Handmuskulatur und gibt Demenzpatienten das Gefühl, "etwas zu tun". Dadurch werden dadurch nervöse Unruhe gebunden und unnötige Räumerei verhindert. Eine kleine Tasche am Muff kann für Taschentücher oder andere Kleinigkeiten genutzt werden.

Da Demenzpatienten immer kalte Hände haben, kann der Muff in ruhigen Minuten auch einfach als Handwärmer dienen.

Mein Hapti Muff Marke Eigenbau ist bereits im Einsatz und ich hoffe, er wird ein wenig Beschäftigung und Ruhe in den teilweise sehr ruhelosen Zustand eines mir sehr wichtigen, älteren Herren bringen.